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Afrika 14

Meine Rückreise umzubuchen ist ein Unterfangen von unerhörter Komplexität, an dem mittlerweile zehn Leute an fünf verschiedenen Orten beteiligt sind und dessentwegen etwa 30 Emails hin- und hergegangen sind. Das dauert jetzt zwei Wochen und mein Flug ist immer noch nicht gebucht. Der wichtigste Grund ist dieser: die meisten Mitarbeiter der ORGANISATION sind nicht imstande, eine Mail sorgfältig zu lesen und ihren Inhalt vollständig zu erfassen; sie reagieren auf das, was sie glauben gelesen zu haben. Durchdrungen von dem schönen Ideal des stets überlasteten und sich für die gute Sache aufopfernden Mitarbeiters gibt man sich nicht die Zeit, irgendetwas gründlich und in Ruhe zu machen, lieber rasch und hektisch, wodurch sich die Arbeit denn auch wirklich verdoppelt und verdreifacht, so dass sich das Ideal auf wundersame Weise selbst erzeugt und bestätigt.

Kurz vor der Rückkehr erheben noch einmal die Grossen Fragen ihre tiefverschleierten Häupter: nach dem Sinn, dem Leben, dem Universum und allem. Es ist unwahrscheinlich, dass ich nach 11 Wochen hier eine bessere Antwort finden werde als der Supercomputer Deep thought (in Per Anhalter durch die Galaxis), der nach fünf Millionen Rechenjahren als Letzte Wahrzeit die Zahl 42 präsentiert, wobei er den erstaunten Experten zu bedenken gibt, dass die Nutzlosigkeit der Antwort mit der Unschärfe der Frage zu tun haben könnte. Die richtigen Fragen sind tatsächlich schwer zu stellen: schon die Formulierung vom Besseren Leben enthält ja die ganze Ambivalenz des ethisch Wünschenswerten (in Übereinstimmung mit irgendwelchen Grundsätzen, nach höheren Zielen strebend etc.) einerseits und des Sichbesserfühlens andererseits, wobei der Zusammenhang zwischen den beiden Aspekten ein durchaus verschwommener ist (es gibt ziemlich fröhliche Diktatoren und ziemlich trübsinnige Gute Menschen, zum Beispiel auf den höheren Ebenen der ORGANISATION).

Ich habe hier beides versucht: am Anfang wollte ich ein Besserer Mensch werden (freundlicher, geduldiger...) und einen nahezu stoischen Lebensstil kultivieren; nachdem sich das als unmöglich erwiesen hatte, probierte ich es nach alter Gewohnheit mit dem Guten Leben im hedonistischen Sinne und auch das brachte nicht viel. Zugegeben, der Südsudan macht es dem Hedonisten nicht gerade leicht; trotzdem scheint es einigen Beneidenswerten zu gelingen, der Sache erstaunlich viel FUN abzugewinnen. Es gibt sogar Leute, die ihren Einsatz verlängern, weil es ihnen hier so gut gefällt. Die dabei eingesetzten klassischen Mittel – Sex and Drugs and Rock’n Roll – kamen für mich teils nicht in Frage, teils schlugen sie nicht an.

Was soll werden nach der Rückkehr? Ich bin immer noch überzeugt, dass man, um etwas zu ändern, etwas anders machen muss (selbst wenn das, wie ich gerade wieder mal erfahren habe, auch nicht unbedingt funktioniert). Einsichten und Erkenntnisse kann man sich in Schönschrift übers Bett hängen; nichts wird passieren. Die Beste Frage ist also wohl immer noch die von Lenin auf dem Jahre 1905: Was tun?

 

                                                                 

 

 

 

 

23.3.13 09:25
 
Letzte Einträge: Afrika 8, Afrika 9, Afrika 11, Afrika 13, Afrika 15, Abschied von Afrika


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