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Afrika 13

Schließlich mag man sein Gejammer nicht mehr hören. Es stimmt, dass in meinem Zelt zwei Skorpione zu Besuch waren, es stimmt auch, dass es jetzt selbst nachts so heiß ist, dass ich oft nur noch mit Tablette schlafen kann, während der Ventilator, für dessen britischen Stecker die ORGANISATION seit Monaten keinen Adapter besorgen kann, wie ein Denkmal neben meiner Matratze aufragt. Es stimmt auch, dass mein Übersetzer weggelaufen ist, weil ihm die (von der ORGANISATION einstmals unverrückbar festgelegte) Einstufung und Bezahlung eines Übersetzers als eines angelernten Arbeiters (auf einer Stufe mit dem Latrinenpersonal) nicht gefallen hat. Mir hätte sie auch nicht gefallen. Erneut ist Mental Health zum Schweigen gebracht.

Aber muss ich deshalb gleich so ein Theater machen? Das alles sei noch gar nichts, versichern mir achselzuckend die Veteranen, erfüllt von Stolz auf ihre überirdische Zähigkeit, sei bloß froh, dass Du die Regenzeit nicht mehr erleben wirst. Oh ja, das bin ich!

Diesen Sonntag verbringe ich im Büro als dem einzigen Ort, wo die Ventilatoren manchmal funktionieren. Spiele Scrabble gegen den Computer; wenn ich ihn dumm genug einstelle, habe ich sogar eine Chance. So vergeht der Tag.

Gestern wurde ich ins Camp gerufen, um einen psychotischen Patienten zu sehen: seine Verwandten hatten ihn (wohl aus Hilflosigkeit) im Zelt angekettet. Das geschieht hier öfter. Beim Versuch, sich loszureissen, hatte er sich in der Nacht den kleinen Finger gebrochen. Ich gab ihm die üblichen Medikamente (zum Glück haben wir die hier); er nahm sie mir sogar ab. Er war durcheinander und aufgebracht – verständlich – aber doch noch gut zu erreichen. Die Psychose war am Tag seiner Hochzeit ausgebrochen, dahinter steht irgeneine komplizierte Geschichte von Brautpreis, Rivalen, Familienehre… ich konnte nicht klug daraus werden. Ich schlug vor, ihn loszumachen, sobald er zur Ruhe gekommen ist.

Meine eigene Hochzeit lief besser und übermorgen jährt sie sich zum dritten Mal. Tatsächlich war das meine beste Entscheidung, jemals und überhaupt. Am Bildschirm werden wir uns zuprosten, Samara und ich.

Las noch einmal „Sommer der Liebe“ von Paul Nizon, das hatte mich bei meinem ersten Einsatz, 2005 in Usbekistan, in seinen Bann gezogen. Diesmal geriet ich beim Lesen selbst in die Haltung des gestählten Veteranen: Himmel Paul, dachte ich, du hast Probleme, dachte ich, sitzt da in Paris, gönnst dir eine Ausschweifung nach der anderen und jammerst und jammerst, wie schwierig es ist dieses Buch zu schreiben, das denn auch ganz überwiegend und äußerst selbstbezüglich von den Mühen der eigenen Entstehung handelt (und vom Sex, dessen häufige Ausübung den Autor gerne mal vom Schreibtisch fernhält). Gut gemacht ist das natürlich, der Mann hatte ja auch vier Jahre Zeit, an den hundert Seiten herumzubasteln in seinem Pariser „Schachtelzimmer“, bis jedes Wörtchen sein warmes Plätzchen gefunden. Aber gefallen hat mir das eigentlich nicht mehr, diesmal fand ich es (wie vom Autor ganz richtig vorausgesehen, aber den Wind, wie gehofft, hat er mir damit nicht aus den Segeln genommen) larmoyant und egozentrisch.

17.3.13 15:58
 
Letzte Einträge: Afrika 8, Afrika 9, Afrika 11, Afrika 15, Abschied von Afrika


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