Die Suche geht weiter
 



Die Suche geht weiter
  Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Letztes Feedback

http://myblog.de/jamamblues

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Afrika 10

1. Das Beste wäre es ja, wenn es gelänge, die Hauptquelle der Freude schlichtweg darin zu finden, dass wir am Leben sind, was ja in der Tat eine feine Sache ist, ein Privileg, das wir selbst Goethe, Freddy Mercury und Alexander dem Großen voraushaben. Manche Menschen haben beschrieben, wie sie es tatsächlich vermochten, sich ihrer Lebendigkeit zu erfreuen, Heilige oft und spirituelle Geister, oder Menschen, die eine in den meisten Fällen tödliche Katastrophe (Unfall, Krankheit) wider Erwarten überstanden haben. Doch wenn Markus F. sich noch so fest vornimmt, ab heute freue er sich seines Lebens (einfach nur, weil er es noch habe), geht irgendetwas schief. Das liegt, so ahne ich, vor allem an der Trägheit der Materie, in diesem Fall der meinen. Um die Lebenskraft selbst als Quelle der Freude zu nutzen, müsste einer sich wohlfühlen in seiner Haut. Wach. Ausgeruht. Entspannt und voller Energie zugleich. Frei von Schmerzen. Angenehm gesättigt (oder nach mehrtägigem Fasten des Sättigungswunsches enthoben). Und so weiter. Bedingungen, die selten alle zugleich erfüllt sind.

Wie man es dreht und wie man es wendet: nahezu alles, was das Lebengefühl kurzfristig (Trinken) oder dauerhaft (Joggen) verbessert, nimmt den Weg über das Körperliche.

2. Wäre das Lesen eine Ausnahme? Nein. Wenn uns ein Buch gefällt, lassen wir uns von den dort vorgestellten Emotionen bewegen, wir lachen, unser Herz klopft, die Augen werden feucht… und schon fühlen wir uns ein bischen weicher werden, ein bisschen durchlässiger, ein bisschen einfühlsamer. Lebendiger! (Stephen Pinker behauptet in seinem großen Buch „Gewalt“, neben anderem habe das Lesen von Romanen den Menschen die Art von Empathie beigebracht, die es schwer macht, dem uns ähnlichen Gegenüber den Schädel einzuschlagen)

3. Am Wochenende, zum Ausruhen an einen Ort an der kenianischen Grenze geschickt, habe ich ein amerikanisches Werk von über 1000 Seiten überwiegend gelesen, zum Teil auch quergelesen und mich wieder einmal gefragt, ob diese Bücher wirklich noch von Menschen geschrieben werden (das Foto dieses Justin Cronin sieht verdächtig nach einer Fotomontage aus) oder schon von Computerprogrammen. Sämtliche mir bekannten US-Bestseller folgen derart exakt derselben Vorschrift (cliffhanger am Ende jedes Kapitels, viele, aber knappe Dialoge, tiefe und überraschende Erkenntnisse mindestens alle zehn Seiten, große, etwas mittelalterlich anmutende Gefühle wie Ehre, Stolz, Todesverachtung etc.), dass es wirklich nur noch eine Frage der Zeit sein kann, bis Computer in der Lage sind, nachdem man sie mit 10000 dieser Werke gefüttert hat (einer Jahresproduktion), das zehntausenderste ohne menschliche Hilfe hervorzubringen, um dann nach dem Zufallsprinzig King, Cronin, Smith, Barker oder irgendeinen anderen unauffälligen Namen auf den Titel zu drucken. Nach einem solchen Buch fühlt man sich nicht lebendiger, sondern eher wie nach einem fetten Hamburger mit Pommes mayo und drei Flaschen kenianischem Tusker-Bier (was ich mir an diesem Wochenende ebenfalls erlaubt habe).

 

4. Inzwischen ist es nicht nur heiß, sondern es wird auch immer dunstiger und feuchter: erste Anzeichen der herannahenden Regenzeit. Am meisten schwitzt man, sofern man über etwas längere Haare verfügt, am Kopf. Kenia bot mir die Gelegenheit zu einem kurzen Prozeß. In einem Barbershop namens „BoyZone“, wo man Scheren für Zeitverschwendung hält, brachte ein junger Mann unter schwungvollem Umherwirbeln des Drehstuhls mit der Maschine meine Haare in knapp zehn Minuten in den oben abgebildeten Zustand, umringt von einem Dutzend staunender Kenianer jeden Alters, die offenbar nicht erwartet hätten, dass auch ein Weißer sich einer derart radikalen Prozedur unterziehen würde. Endlich können die Gedanken wieder atmen.

27.2.13 13:14
 
Letzte Einträge: Afrika 8, Afrika 9, Afrika 11, Afrika 13, Afrika 15, Abschied von Afrika


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung