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Afrika 6

Ich beschäftige mich jetzt wieder mit der Stoa (was ich zuletzt beim Abitur 1983 getan habe: eines der Themen war Seneca), und keiner, der die letzten fünf Beiträge gelesen hat, wird Mühe haben, die Gründe dafür zu erkennen. Epiktet schreibt zum Beispiel sehr Bedenkenswertes zum Umgang mit National Staff (er spricht von Dienern, aber die Idee ist dieselbe):

Wenn du deinen Diener rufst, so stelle dir zugleich vor, er könne es nicht gehört haben, oder er könne, wenn er es hörte, nicht tun, was du wünschest. Aber (sagst du) das schickt sich nicht für ihn. (Es mag sein.) Für dich aber schickt es sich, dich nicht von ihm ärgern zu lassen.

Ein bisschen mehr steckt natürlich dahinter. Die Stoiker, wie wohl alle antiken Philosophen, überschätzten die Macht der Gedanken auf unsere Empfindungen und der Genuss kam nicht nur zu kurz sondern, als positive Möglichkeit, nicht einmal vor, aber was die Minimierung des Leidens betrifft: davon verstanden sie etwas! Wenn ich ein Buch schriebe, gewissermaßen meine persönliche Variante des Neo-Neostoizismus (angereichert mit ein bisschen Epikur), würde ich es so nennen: Gelassenheit. Die Kunst, das Widerwärtige zu ertragen und das Gute zu genießen.

Dieser Ort, wie dem Leser schon bekannt, bietet ein fast unbegrenztes Übungsfeld im Ertragen des Widerwärtigen und ich kann behaupten, dass es mir von Tag zu Tag besser gelingt. Wobei ich mich nicht vor allem auf die Kraft der Gedanken verlasse (obwohl es schon auch hilft, diese Dinge zu formulieren, wie ich es hier gerade versuche), sondern, gemäß meinen Erfahrungen und Überzeugungen, vor allem am Körper ansetze: mit Joggen, Entspannung, maßvollstem Essen und Trinken (selbst Kaffee – Instant mit Milchpulver - trinke ich hier allenfalls drei Tassen am Tag), viel Ausruhen und viel Schlafen. Diese Gelassenheit überträgt sich auch auf den Umgang mit importierten Ärgernissen, beispielsweise absurden Rentenformularen, die man mir aus Deutschland per E-mail nachschickt mit der Aufforderung, sie innerhalb weniger Tage unterschrieben zurückzuschicken, sonst Verdoppelung der Rentenbeiträge. Leider gibt es im Südsudan keine gelben Briefkästen. Nicht mal ein Handynetz, jedenfalls hier nicht. Die ORGANISATION hat natürlich keinen Scanner (für mental health auch keinen Computer, ich benutze für die Arbeit meinen eigenen, hätte ich den nicht dabei, könnte ich meinen kleinen therapeutischen Gemischtwarenladen dichtmachen). Aber ich blieb entspannt und schickte der entsprechenden Behörde ein Digitalfoto des von mir unterschriebenen Antrags. Und fand das lustig.

 

 

7.2.13 17:22
 
Letzte Einträge: Afrika 8, Afrika 9, Afrika 11, Afrika 13, Afrika 15, Abschied von Afrika


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