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Afrika 5

Ein Monat ist um. Ein Drittel. Was mich bis in meine Fieberträume verfolgt, sind zu meiner Überraschung nicht Schokolade und Gummibärchen (auf die ich nicht einmal Lust hätte), sondern ein dicker, süß-säuerlicher Apfel,  woraus ich mich mit unbeschreiblichem Entzücken ein großes Stück herausbeißen sehe. Eine Orange, deren erschütternd citrusfrischer Geschmack mein ganzes Sein ausfüllt. Der letzte dünne Faden, der mich geschmacklich noch mit der Zivilisation verbindet, ist der sporadische (viel zu warme) Schluck eines erträglichen schottischen Whiskies.

Ich war krank. Eine seltsame und erstaunliche Erfahrung ist es, hohes Fieber zu haben, während die Außentemperatur dennoch die des eigenen Körpers übersteigt und der Ventilator, den man mir freundlich überlassen hat, nicht zu benutzen ist, weil die Adapter für die britischen Stecker nicht mitgeliefert wurden.  Man fühlt sich wie ein auf links gewendeter Handschuh. Als das Fieber fiel, waren auch meine Erwartungen gesunken. Seither geht es mir besser.

Zustände sind immer erfreulich im Kontrast zu anderen, weniger erfreulichen. Wer sich bemüht, kann daher fast immer etwas Erfreuliches finden. Ich genieße die Abende nach acht, wenn die Temperatur auf paradiesische 35 Grad gefallen ist, ich hinter meinem Zelt auf einer aus Schnurgeflecht gewirkten Liege ruhe und am Himmel anstelle der hier etwas unpopulären Sonne die lieben Sternlein erscheinen und ein herrlich kühles Gefunkel veranstalten.

Wie erfreulich ist es erst, nach zwei schwer beschreiblichen Wochen mit einem ganz nutz- und lustlosen Übersetzer einen solchen zu finden, der nicht nur fließend Englisch spricht, sondern auch noch psychologische Vorkenntnisse hat und sich ernsthaft für den Bereich interessiert. Im abgelegensten, gottverlassensten Winkel des Südsudan, wo Staub und Fliegen die einzigen im Überfluss vorhandenen Dinge sind und die meisten Menschen weder lesen noch bis hundert zählen können, ist ein solches Ereignis etwa so wahrscheinlich wie ein Schneesturm. Und doch ist es geschehen. Man könnte daraus allerlei banale Schlüsse ziehen (nie die Hoffung aufgeben...), das tue ich nicht. Umgekehrt: wäre es nicht geschehen, so hätte ich die Hoffnung aufgegeben und damit wohl auch meinen kleines südsudanesisches Intermezzo. So aber gibt es wieder eine Chance.

6.2.13 15:07
 
Letzte Einträge: Afrika 8, Afrika 9, Afrika 11, Afrika 13, Afrika 15, Abschied von Afrika


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