Die Suche geht weiter
 



Die Suche geht weiter
  Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Letztes Feedback

http://myblog.de/jamamblues

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Afrika 3

Es wäre sehr einfach zu jammern. Über das Essen (mittags Linsen mit Reis und Ziegenfleisch, abends Ziegenfleisch mit Reis und Linsen), die Hitze, die Ameisenstraße, die durch mein Zelt führt, den schwer vorstellbaren, aber unverschuldeten Mangel an Bildung und logischem Denkvermögen, dem wir hier begegnen… Man könnte beschreiben, was dabei herauskommt, wenn ein Übersetzer, der ein paar Brocken Englisch spricht, meine Frage ins Arabische übersetzt, eine junge Frau dann weiter in die lokale Sprache, die Antwort zurückgeht ins Arabische und von dort wieder in ein ulkiges Pidgin-Englisch jenseits aller mir bekannten Regeln… (Gestern habe ich einer Patientin nach einer halben Stunde dieser seltsamen Prozedur gesagt, sie solle in zwei Wochen wieder kommen, da es mir ganz unmöglich sei herauszufinden, wo ihr Problem liege. Auch das ging vermutlich verloren. Zwei Wochen deshalb, weil ich vage hoffe, bis dahin einen brauchbaren Übersetzer zu haben.)

Ein bisschen jammere ich wirklich, aber in dieser ORGANISATION muss man sich damit zurückhalten, sonst macht man sich schnell unbeliebt. Immerhin HABEN wir etwas zu essen. Und Zelte. Duschen. Medizinische Versorgung (wenn sich einer von uns den Arm bricht, wird er nach Kenia ausgeflogen, die Möglichkeiten im Südsudan sind minimal). Sogar Internet, langsam, aber recht zuverlässig und sogar ausreichend, sich mit der Liebsten per Skype zu unterhalten. Eine Woche lang hatte ich auf mein im Flieger zurückgelassenes Computerkabel warten müssen, aber gestern kam es und am Abend konnte ich endlich mit Samara reden. Das war ein Moment großer Freude.

Mit dem Internet kommen prompt die deutschen Probleme: die elektronische TAZ, deren Lektüre ich dann doch nicht widerstehen kann, Anfragen von Behörden - füllen Sie bitte noch dieses Formular aus und unterschreiben Sie jenes - dieser ganze Mist, der mir so ungeheuer zuwider ist und dem entgangen zu sein ich in den ersten Tagen (vor Ankunft des Kabels) ja auch genossen hatte; davon war im letzten Blog die Rede.

Meine stärkste Ressource ist Musil. Vor Jahren schon hatte ich mir den „Mann ohne Eigenschaften“ als Hörbuch gekauft, auch mal hineingehört, es dann aber wieder gelassen. Zuhause, im Land der weichen Sessel und des hellen Lichtes, blieb mir die Idee des Hörbuchs etwas fremd. Hier, wo man abends im Schein der Stirnlampe auf harten Plastikstühlen sitzend liest, ist es anders: ich liege in meinem Zelt (habe es immer noch für mich allein, thank goodness) auf der Matratze, schaue durch den Eingang auf den gleichfalls auf dem Rücken liegenden Mond, und lausche der ansprechenden österreichischen Stimme von Wolfgang Berger, der mir dieses kluge, komische und sarkastische Werk vorliest, in dem schon alles angesprochen ist, was uns „Moderne“ weiterhin umtreibt und zappelig macht und in den Südsudan treibt, um ein bisschen Frieden zu finden und ein bisschen SINN.

19.1.13 11:36
 
Letzte Einträge: Afrika 8, Afrika 9, Afrika 11, Afrika 13, Afrika 15, Abschied von Afrika


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung